Also, ich hab noch lange nix fertig und das passt auch so. Wir haben uns viel reden, fragen und zuhören verordnet.
Das muss aber auch richtig gemacht werden. Als politische Bewegung sollten wir jetzt sicher nicht Meinungsumfragen machen und dann die populärsten Antworten umsetzen. Wir sind ja politisch tätig, weil wir was wollen und das ist nicht beliebig. Wir brauchen jetzt konkrete Hilfe.

Ich bin zu den Grünen gegangen, weil ich eine kämpferische Alternative zum autoritären Turbokapitalismus gesucht habe. Ich bin leidenschaftlicher Demokrat, die Basisdemokratie hat mich angesprochen. Und die Klimakatastrophe sehe ich als eine politische Rahmenbedingung: Wenn wir sie nicht in den Griff kriegen, ist alles andere ein „Nebenwiderspruch“. Also grün.

Ich hab mich nicht viel verändert. Hat sich verändert, was ich akzeptiere? Ja. Als „kämpferische Alternative“ sind wir schon lange nimmer rübergekommen, aber wir haben auch mit einem… hm, gefälligeren… Auftreten Wahlen gewonnen. Große Erfolge in den Ländern.

Es wär jetzt so leicht, das pauschal zu kritisieren, ich glaub, da könnte man jetzt billigen Applaus abstauben. Aber es wäre zu platt. Die Länder sind in Österreich zentral für Umweltpolitik zuständig, auch fürs Soziale. Die Raumplanung in Salzburg und Tirol, der öffentliche Verkehr in Vorarlberg und Kärnten, die Energiewende in Oberösterreich, die Mindestsicherung in Wien… all das ist so konkrete Politik, die was bringt, die darf man nicht eintauschen gegen eine reine Oppositionspolitik mit kämpferischer Attitüde ohne Umsetzung. Wenn ich immer wieder mitbekomme, wie meine liebe Freundin Birgit Hebein in Wien einzelnen bedürftigen Menschen hilft, dann ist das mehr progressiver Kampf als jeder Protest.

Und das ist eine der zentralen Fragen, die ich mir jetzt stelle: Wie schaffen wir diesen Spagat? Egal ob wir Schwarzblau oder Rotblau bekommen, vor uns liegen harte Jahre. Nichtmal echt neoliberal, sondern einfach konzernfreundlich. Es wird Rückschläge in vielen Politikbereichen geben, bei Umwelt, Gleichberechtigung, Soziales…
Ich will konsequenten, harten Widerstand der Grünen. Ich will, dass die Grünen beim Kampf gegen diese Entwicklung wieder an der Spitze stehen.

Aber ich will auch, dass dort, wo es möglich ist, in den Ländern und Gemeinden, ganz konkret Politik gemacht wird.
Wie schaffen wir diesen Spagat? So wie in den letzten Jahren sicher nicht. Mich interessiert diese Frage wirklich brennend, ganz konkret. Ich hab schon Ideen, aber ich will zuerst andere lesen und nachdenken. Falls jemand in den nächsten Tagen Lust hat, mir ein paar Zeilen zu schreiben: michel.reimon(at)gruene.at, Betreffzeile „Back to the future“. Ich werde alles lesen, aber nicht allzu schnell antworten. Es muss sickern. (Aber ich möcht alles beantworten, logisch).

Veröffentlicht von Michel Reimon