Die Flüchtlingszahlen fallen seit 3 Jahren, teilweise dramatisch, sie sind 2018 schon wieder unter jenen von 2014 und sinken weiter. In diesem Jahr haben bisher 33.000 Menschen das Mittelmeer überquert, das macht einen Flüchtling auf 15.000 EU-Bürger. Bei einer gleichmäßigen Verteilung müsste ein Bezirk wie Eisenstadt-Umgebung zwei oder drei Leute aufnehmen.

Das ist doch locker zu schaffen, sagen viele, und natürlich ist es das. Aber darum geht es nicht. Falsches Argument. Der politische Antrieb der Rechtsextremen ist kein ökonomischer, sie reden zwar über Kosten und Sozialsysteme usw usf, aber das ist nur Vorwand. Es geht um Rassismus.

Das muss man in dieser Klarheit sehen. Wenn die Flüchtlingszahlen nochmal halbiert werden, sind es ihnen immer noch zuviel. Und nochmal halbiert immer noch. Sie wollen Null. Lest euch durch, was ihre UnterstützerInnen öffentlich schreiben: Dafür ist jedes Mittel recht. Jedes. Die Mittel werden eskalieren, sie müssen eskalieren, weil die Zahlen nie niedrig genug sein werden. Es ist ein langer Weg von den ersten Verschärfungen des Asylrechts zum Schießbefehl, aber auch den kann man in vielen kleinen Schritten gehen – und wir sind schon bei militärischen Übungen an der Grenze. Die Enthumanisierung in der Sprache hat schon europäische Regierungsvertreter erreicht.

Wenn die Null irgendwann mit Gewalt erreicht ist, wird es nicht reichen. Lest was sie sagen: Es sind schon zu viele Migraten hier. Wenn irgendwann kaum noch welche kommen, endet die Eskalation nicht. Nein, dann dreht sie sich. Dann reden wir von Deportationen. Erst trifft es die neu gekommenen, dann auch bestens integrierte Menschen. Es geht darum, einen weißen, christlichen Lebensraum zu schaffen, und die Geburtenrate…. ihr wisst schon. Deshalb ist es aus ihrer Sicht auch völlig richtig, alle Integrationsprojekte abzudrehen. Sie wollen keine Integration, sie wollen kein Zusammenleben, sie wollen: Ausländer raus!

Strache hat vor 27 Jahren die Neonazi-Kreise verlassen und ist Berufspolitiker im parlamentarischen System geworden, er hat fast drei Jahrzehnte daran gearbeitet, seine rassistische Ideologie zur österreichischen Regierungspolitik zu machen. Wer glaubt, man könne ihm und den anderen Rechtsextremen den Schneid abkaufen, indem man einen Teil ihres Weges geht und dann würden sie den Schwung verlieren, der irrt sich. Wer sich auf diesen Weg begibt, kann nicht mehr stehen bleiben.

Es gibt keine kurzfristigen Lösungen, aber es braucht auch langfristige. Europas Handelsbeziehungen so zu verändern, dass kein Migrationsdruck ausgelöst wird, wird Jahrzehnte dauern. Aber diese Zeit müssen wir uns nehmen. Die anderen haben es auch getan.

Veröffentlicht von Michel Reimon