Die Brexit-Pläne und -Verhandlungen der Briten sind so unprofessionell und unglaubwürdig, dass man aus dem Kopfschütteln nicht rauskommt.

Da ist zum Beispiel die Frage der nordirischen Grenze. Die Mehrheit der zwei Millionen Nordiren will nicht von der Republik Irland abgeschnitten werden. Sie wollen also Reisefreiheit, keine Kontrollen, keine Zölle, wenn sie aus ihrer Provinz, die kleiner als Niederösterreich ist, auf die andere Seite fahren.

Das Vereinigte Königreich will sich aber aus der Zollunion lösen und genau das wieder einführen: Scharfe Grenzkontrollen zur EU.

Da bleiben letztlich drei Lösungen:

a) Keine harte Grenze
b) Eine harte Grenze zwischen EU und UK
c) Eine harte Grenze zwischen EU (mit Nordirland) und GB – also zwischen der irischen Insel und England, Schottland und Wales auf der anderen Seite des Meeres und damit innerhalb des Staatsgebietes des Vereinigten Königreichs. Sagen wir mal so: Das kann in GB ja wirklich niemand wollen, dafür gibt es auch keine Mehrheit unter den Abgeordneten.

Also bleiben a) oder b). Alles andere ist blabla. Nun ist es aber so, dass May für beide Varianten keine Mehrheit im Parlament hat – denn die hauchdünne Mehrheit der Konservativen stützt sich auf Hardliner, die nicht für a) stimmen wollen und auf nordirische Abgeordnete, die nicht für b) stimmen wollen.

Eine der beiden Seiten wird sich vor ihre WählerInnen stellen und nachgeben müssen, um den Brexit zu retten. Oder die Briten bleiben. Das wollen diese Gruppen aber auch nicht. (Und wenn Irland irgendwann dem Schengenraum beitritt, implodieren die nordirischen Brexit-Befürworter überhaupt in einem irrationalen Logik-Wölkchen.)

Also bleiben die britischen Vorschläge in einem „Wir wollen den Kuchen aufessen und behalten“-Stadium stecken, auf das die EU-Seite gar nicht seriös einsteigen kann. Wenn so wie heute verkündet wird, dass die irische Grenze unverändert bleibt und GB trotzdem hart kontrollieren wird und Plan c) ausgeschlossen ist… ist das einfach widersprüchlicher Nonsens und das weiß jeder.

Veröffentlicht von Michel Reimon