Monsanto wurde also wegen Glyphosat zu 289 Millionen Dollar Schadenersatz an einen Krebskranken verurteilt, die Geschworenen werfen dem Konzern vor, mit Bosheit Unterdrückung und Betrug gehandelt zu haben… Das ist das sogenannte „wissenschaftliche Zulassungsprinzip“ in den USA: Produkte werden leicht zugelassen, wenn ein Opfer ihre Schädlichkeit nachweisen kann, gibt’s enorm hohe Strafen. Das soll dazu führen, dass die Konzerne selber genau testen, um solche Produkte gar nicht auf den Markt zu bringen. Es führt aber nur zu einer knallharten Kalkulation: Was ist höher, der Profit oder ein möglicher Schadenersatz? Der Markt kann das daher nicht regulieren. Den Prozess samt wissenschaftlichem Nachweis muss sich ja erst mal jemand leisten können, das dauert Jahre bis Jahrzehnte… und die Todkranken haben dann nicht mehr viel von den enormen Summen. Eine Forderung der USA bei TTIP war, in den USA zugelassene Produkte ohne weiterer Prüfung auf den europäischen Markt zu lassen. Gut, dass das gekippt wurde.

Zu Glyphosat noch eines: Die Zulassung in der EU lief immer 15 Jahre, mit automatischer Verlängerung. 2017 stand diese Verlängerung wieder an, wenn das EP keine Änderung beschlossen hätte. Und genau das haben Monsanto und die Konservativen versucht: Einfach keinen Beschluss im EP, dann wäre die Automatik in Kraft getreten: Verlängerung bis 2032! (Klingt irre, oder?)

Wir Grüne wollten natürlich das Sofortverbot, fanden aber keine Mehrheit. Also brauchen wir einen Alternativ-Plan, denn kein Beschluss wäre die maximale Katastrophe gewesen. Wir wollten zwei Dinge: Erstens eine Verkürzung der Frist auf alle 5 Jahre. Jedes neu gewählte Europa-Parlament sollte wieder darüber abstimmen. Weil der öffentliche Druck auf unserer Seite war, waren es zähe Verhandlungen. Uns einfach niederzustimmen traute sich die Mehrheit dann auch nicht so leicht. Man bot uns 10 Jahre als Kompromiss, acht Jahre, dann sieben.

Am letzten Abend vor der Abstimmung machten wir ein Gegenangebot, unser zweites Anliegen: Sieben Jahre, aber die Automatik wird umgedreht. Das nächste Mal muss es eine Mehrheit für die Verlängerung geben. Gibt es gar keinen Beschluss, läuft die Zulassung einfach aus. Ich halte das ja für den entscheidenden Punkt, viel wichtiger als ein Jahr auf oder ab, das sah auch die Mehrheit in der Fraktion so.

Wir bekamen die Mehrheit.

Das nächste EP wird also wieder über die Zulassung abstimmen, im Wahljahr. Es reicht, wenn es keinen Beschluss gibt. Aber auch dafür werden wir kämpfen müssen. Und kämpfen.

Veröffentlicht von Michel Reimon