Ich kann – und will – über Eugen Freund nichts Schlechtes sagen. Er war ein seriöser Journalist, der seine Arbeit so gemacht hat, dass man ihm keine Parteilichkeit vorwerfen konnte. Die Konsequenz daraus: ich kann ihn politisch noch gar nicht beurteilen.

Aber: Ich rede mit und lese von SPÖlern, die seit Ewigkeiten leiden. Jeden Tag. Weil die Wahl vergeigt war. Weil die Verhandlungen vergeigt waren. Weil das Regierungsprogramm, das Regierungsteam und die Nachrückungen im Nationalrat vergeigt waren. Weil das Mandela-Begräbnis niemanden interessierte, man aber zu Putin fährt. Weil Cap vorsorgt wird und mit Blecha die inhaltliche Erneuerung der Partei vorantreiben soll. Weil Schwechat ein Skandal ist und die TTIP-Verhandlungen mit SP-Stimmen beschlossen wurden und die Europapolitik sowie nicht existent ist. Und überhaupt ist man gegen die undemokratischen Strukturen innerhalb der SPÖ.

Aber Eugen Freund, der ist nicht schlecht. Ob er gut ist, weiß niemand, aber er ist immerhin nicht schlecht, das reicht, auch wenn er völlig undemokratisch vom Vorsitzenden allein ausgewählt wurde. Er wurde eben ausgewählt, also ist er der nächste Strohhalm, der ganz ganz dünne, der notwendig ist, um eh wieder rot zu wählen. Einmal noch. Bis zum nächsten Strohhalm.

Der Grund, warum die Sozialdemokratie nicht mehr links ist, ist nicht Faymann. Der Grund, warum die SPÖ vollkommen beliebig agiert, ist nicht Cap. Der Grund, warum euch innerparteilich auf den Kopf gemacht wird, sind nicht all die namenlosen Opportunisten.
Der Grund für all das ist schon gar kein Quereinsteiger.

Der Grund seid ihr.

Veröffentlicht von Michel Reimon