Wieso Deutschland, Monsanto und Cheminova für geheime Studien nun vor Gericht ziehen und was das mit dem Glyphosat-Untersuchungsausschuss zu tun hat

Bisher verweigerte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Zugang zu Studien, die sie zur Evaluierung von Glyphosat nutzen. Eines ihre Argumente gegen das WHO Studienergebnis (Glyphosat wird hier als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft) war, dass EFSA unveröffentlichte Studien nutze. Wir wollen, dass EFSA alle Studien, die sie für ihre Entscheidungsfindung herangezogen hat,im Interesse der Öffentlichkeit, veröffentlicht. Auf Ansuchen der Grünen wollten sie diese aber nicht rausrücken- ihr Argument: eine komplette Veröffentlichung der Studien würde die wirtschaftlichen Interessen der Großkonzerne wie Monsanto und CO. schaden. Außerdem stehe es nicht im Interesse der Öffentlichkeit, weil es schon genug Informationen gibt. Wir Grünen lassen uns aber nicht mit halben Informationen und geschwärzten Studien abspeisen und sind deswegen wir vor den Europäischen Gerichtshof gezogen.

Nun haben plötzlich seit gestern drei weitere Klagsparteien Parteienstellung erhalten: Deutschland, auf Seiten der EFSA, und die Agrochemieriesen Monsanto und Cheminova. Aus dem Fall Grüne gegen EFSA wird damit Grüne gegen EFSA, Deutschland, Monsanto und Cheminova. Deutschland hat natürlich durch den baldigen Zusammenschluss von Bayer und Monsanto großes Interesse, dass die geschäftlichen Interessen von Monsanto gewahrt werden. Das selbe Deutschland, dass bei der Abstimmung im Rat zur Zulassung plötzlich die Regierungsvereinbarung brach, dafür votierte und damit die Zulassungsverlängerung erst ermöglichte.

Hier das offizielle Dokumente zur Parteienstellung:

http://extranet.greens-efa-service.eu/pub…/media/file/1/5420

Jetzt wollen wir im Europaparlament einen Sonderausschuss um diese ganze Farce rund um die Glyphosat-Zulassung aufzuarbeiten. Denn seit den Monsantopaper-Leaks wissen wir, dass ein Teil der EFSA Bewertung direkt aus Monsanto-Studien abgeschrieben wurden. Auch dafür brauchen wir und Expert*innen vollen Zugang zu den Studien. Wie sollen wir etwas aufklären, wenn uns die Information verwehrt wird. Das wird im Jänner 2018 noch ein harter Kampf diesen Sonderausschuss durchzusetzen gegen die Konservativen und die Liberalen. Denn die wollen das alles nicht – keine Aufklärung und keine Transparenz für die Öffentlichkeit.

Jetzt hat sich Deutschland als mächtiger Player auf die Seite der Konzerne geschlagen. Damit bleibt nur noch das Europaparlament als Ort der Aufklärung. Brechen wir die Macht der Lobbys und Konzerne!

Veröffentlicht von Michel Reimon