unspecified

Seit dem Luxleaks-Skandal 2014 tauchen fast täglich neue Korruptionsskandale auf, in denen Großkonzerne Steuergeld im großen Stil hinterziehen. Die Kommission hat deswegen Ende Jänner ein Maßnahmenpaket gegen Steuerdumping präsentiert. Aber das ist zu wenig. Das zeigt ein neuer Bericht der Grünen Fraktion, die IKEAs dubiose Steuerkonstruktionen durchleuchtet hat.

Und das sieht so aus: IKEA hat seine Geschäftsstruktur so aufgebaut, dass es ihnen möglich ist, hunderte Millionen an Gewinnen durch diverse EU-Steueroasen zu schleusen. So wird sichergestellt, dass dieses Geld steuerfrei bleibt, bis es in Liechtenstein ankommt, einer der größten Steueroasen in Europa.

Was es braucht, um Steuergelder in Milliardenhöhe zu umschiffen

IKEA betreibt weltweit über 300 Filialen, zwei geheime Stiftungen, nutzt vier Steueroasen, hat eine wohlgesinnte Steuerbehörde in den Niederlanden und einen Steuerdeal mit Luxemburg im Ärmel.IKEA_Twitter_440x220

Das Unternehmen IKEA gibt vor, aus zwei unabhängigen Gruppen zu bestehen: Der IKEA Group und der Inter IKEA Group. Unter diesem Deckmantel zahlt der Konzern Zinsen an sich selbst, und kann so seine Gesamtbesteuerung reduzieren.

IKEA Group und Inter IKEA Group tun also so, als wären sie zwei unabhängige Unternehmenseinheiten. So verschleiern sie ihre Zusammengehörigkeit, um Steuern zu sparen.

Von 1991 bis 2014 hat die Inter IKEA Gruppe unter Rückgriff auf ein niederländisches Leitunternehmen vermeiden können, 84 Prozent der 14,3 Milliarden Euro schweren Zinseinnahmen zu versteuern. Diese 14,3 Milliarden Euro Zinsen werden von IKEA- Filialen weltweit eingenommen. Und nur Bruchteile davon werden in Europa versteuert.Ikea2

Durch die geheimen Stiftungen und die gefinkelte Konzernstruktur ist es sehr schwer, IKEAs Aktivitäten nachzuvollziehen. So hält das Großunternehmen seine Empfängerkonten unter Verschluss. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass das Geld  durch die Niederlande und Luxemburg nach Liechtenstein und andere Steueroasen mit sehr geringen Steuersätzen geschleust wird. So zahlt IKEA dann dank Steuerdeals in Luxemburg nur 0,09 Prozent Steuern.

IKEA verwendet das niederländische Rechtssystem als Schleuse: Zinsgebühren kommen unversteuert ins Land und verlassen es wieder in einer anderen unversteuerten Form. In der Endstation Liechtenstein sind die Gewinnanteile der ausländischen Unternehmen dann überhaupt komplett steuerfrei. Und IKEA spart sich Milliarden: Das Schleusen der Zinsen von jeder IKEA-Filiale in die Niederlande hat die EU-Staaten seit 2009 schätzungsweise eine Milliarde Euro gekostet.

Durch diese Steuerumgehung sind alleine im Jahr 2014 acht EU-Staaten um 162,2 Millionen Euro Steuergeld umgefallen – Österreich ist so vier Millionen Euro Steuergeld entgangen.

Am Beispiel IKEA sehen wir, wie schwierig es ist, Steuerhinterziehung aufzudecken, wenn ein gigantisches Unternehmen Steuerdeals aushandelt, Geheimhaltung pflegt und Steueroasen ausnutzt. Dagegen helfen hilft nur:

1) Steuerharmonisierung: Konzerne müssen europaweit gleich versteuert werden und ihre Finanzen offenlegen.  

2) Transparenz über die Aktivitäten multinationaler Konzerne

3) Der Europäische Rat muss ein Paket beschließen, das Steuerlöcher in Europa endgültig stopft

4) Nationale und europäische Behörden müssen offene Untersuchungen gegen Großkonzerne und deren Steuerpraxis einleiten, wie das in der Vergangenheit bereits getan wurde.

Das Anti-Steuerdumping-Paket der Kommission erlaubt IKEA und anderen multinationalen Konzernen weiterhin Steuerlöcher zu nutzen. Es scheint die Realität des Steuerwettbewerbs zwischen den EU-Ländern zu ignorieren. Die Kommission muss genau auf diese Praxis, die IKEA betreibt, den Finger legen und die Öffentlichkeit informieren.

Hier gehts weiter zum Bericht:

 http://www.greens-efa.eu/corporate-tax-avoidance-15176.html

Veröffentlicht von Michel Reimon