Es kommt nicht oft vor, dass eine Pressekonferenz mehr über den Zustand der Medien enthüllt, als über den Zustand der Politik. Die Antritts-PK der schwarzgelben Koalition war ein solcher Moment… Als ich mein Projekt Postjournalismus gestartet habe, beschrieb ich das aktuelle Verhältnis von Medien und Demokratie so:

Medien, die die journalistischen Aufgaben ausreichend erfüllen, müssten […] eine kritische Öffentlichkeit herstellen, einen Diskurs, wie er für jede Demokratie lebensnotwendig ist. Sie müssten vierte Macht sein, ein Gegengewicht zu den ersten drei Mächten. Doch in der Postdemokratie sind sie einfach nur Teil des Systems und haben nicht mehr die Kraft, selbst die gravierendsten Fehlentwicklungen durch journalistische Arbeit zu verhindern.

Eine postjournalistische Medienwelt ist nicht erst dann „erreicht“, wenn der letzte Journalist aufgehört hat, kritische Fragen zu stellen. Sie ist schon viel früher erreicht, nämlich dann, wenn selbst kritische Fragen keinerlei Wirkung mehr haben.

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Dass der Fragesteller Holländer ist und keinerlei Unterstützung deutscher JournalistInnen bekam, lässt nur noch einen Befund zu: Die vierte Macht in Deutschland ist mausetot. Alle Super-Top-QualitätsjournalistInnen, die den Kollegen hier allein gelassen haben, sollen sich was schämen. Nein, besser: Sie sollten den Job wechseln. Still und mit gesenktem Haupt.

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Veröffentlicht von Michel Reimon