Die Kampfeinheiten, die sich gegen die Herrschaft Assads auflehnen, sind natürlich streng genommen Rebellen.

Aber „Rebellen“ kann verschiedene Konnotationen haben – für mich eine grundsätzlich positive. Ich mag Rebellen. Das sind Menschen, die sich gegen die etablierte Herrschaft auflehnen – und damit gegen Mächtigere, gegen Unrecht. Diese Mächtigeren nennen Rebellen übrigens normalerweise „Terroristen“ – diese Unterscheidung scheint es in jeder Sprache zu geben. Rebellen führen einen Kampf gegen ein delegitimiertes Regime, Terroristen führen einen illegitimen Kampf gegen eine Regierung.

In Syrien ist diese Unterscheidung oft wertlos. Da kämpfen viele Terrorgruppen gegen ein Terrorregime. Den IS, die Ableger der Al-Quaida und andere radikal-islamistische Organisationen einfach als Rebellen zu bezeichnen, ist irreführend. Wenn Assad diese Truppen aus Ost-Aleppo vertreibt, kann man nur eine Seite wählen: die der Kinder, Frauen und Männer, die als ZivilistInnen zwischen alle Fronten geraten sind und abgeschlachtet werden.

Darf man politisch also keine Seite wählen? Muss man beim Abschlachten zusehen und am Schluss mit den Siegern kooperieren?

Es gibt nach fünf Jahren Krieg keine unschuldigen Einheiten mehr. Aber es gibt noch Verbände, die eine demokratische, säkulare Republik wollen, in der Männer und Frauen so gleichberechtigt sind, dass man von RebellInnen schreiben kann: die kurdischen Einheiten. Wie gesagt, ohne sie in Bausch und Bogen rein zu waschen.

Aber hier hätte Europa KooperationspartnerInnen. Erdogan droht mit dem Ende des türkischen Flüchtlingsdeals, wenn wir nur einen Finger für sie krumm machen, denn er bekämpft sie auf der anderen Seite der Grenze mit aller Brutalität. Und nennt die RebellInnen natürlich TerroristInnen.

Europas 28 Regierungen sollten diese Erpressung nicht länger akzeptieren.

Veröffentlicht von Michel Reimon