Das ist Said. Er kommt aus Aleppo, Syrien, gestern habe ich ihn im Zug nach München kennengelernt.  Assad hat sein Haus mit Fassbomben zerstört, zwei seiner Kinder getötet, die beiden anderen schwer verletzt.
Mit diesen beiden Töchtern ist er nach Europa geflüchtet, von den anderen bleiben ihm nur Fotos und Videos auf dem Handy.

Er zeigt sie her, immer und immer wieder, ganz ruhig, ohne erkennbare Emotion. Er hat ein schweres Trauma.

Ein Anruf, ich gebe ein Telefoninterview, Said sagt danach: „Gib die Fotos den Zeitungen.“ Er will, dass die Welt seine Kinder sieht.

Soll man Tote zeigen? „Es kommt auf den Kontext und die Absicht an“, habe ich vor ein paar Tagen geschrieben. Meine Absicht ist, eine Ahnung davon zu vermitteln, welche Tragödien die Menschen auf unseren Bahnhöfen hinter sich haben. Said will, dass der Tod seiner Kinder irgendeinen Sinn ergibt – natürlich geht das nicht, natürlich ist das hoffnungslos. Natürlich ergibt das keinen Sinn.

Veröffentlicht von Inge Chen

Pressesprecherin