Karl Popper hat am Wert von psychologischen und soziologischen Theorien wie zum Beispiel von Freud und Marx gezweifelt, weil sie so umfangreich und so flexibel sind, dass man mit ihnen jedes aktuelle Ereignis erklären kann. Man findet immer ein Zitat und immer ein Beispiel, die zusammenpassen, kommt nur auf den Blickwinkel an. Da hat er auch recht.

Jetzt im Nachhinein jene Punkte zu finden, mit denen man Trumps Wahlsieg erklärt… das geht heute abend mit fast jedem Ansatz und ist mäßig wertvoll. Auf welche Fakten will man sich dabei stützen? Umfragen? Hahaha…

So bitter und verwirrend das sein mag, es ist auch befreiend. Wir brauchen keine Analysen, die uns die letzten 12 Monate so auslegen, dass wir sie jetzt „verstehen“, denn das hilft uns nicht für die Zukunft.

Wir brauchen eine Einschätzung dieser Zukunft, denn für die brauchen wir eine Strategie.

Meine lautet: Wir haben 2016 eine Schwelle wie 1989 überschritten. Die westliche Welt wird nicht mehr dominiert von Zentrumsparteien, die wirtschaftsliberale Politik machen, und sich bei Wahlen zwar abwechseln, aber eben auch austauschbar sind. Jetzt kommt eine noch gefährlichere autoritäre Phase, und auch sie wird 20-30 Jahre dauern.

Vielleicht kann man mit den verbliebenen Resten der Zentrumsparteien deren Leben verlängern und sich noch ein paar Jahre weiter retten. Es wäre wichtig, wenn man nächstes Jahr einen Kanzler Strache nochmal verhindern kann. Aber das wird das grundsätzliche Problem nicht lösen: Vor uns liegen mehrere Jahrzehnte autoritären Mainstreams.

Meine progressive Antwort darauf und Strategie dazu liefere ich jetzt nicht in einem Blogpost an einem Abend. Aber ich liefere sie. Versprochen.

Veröffentlicht von Michel Reimon