Liebe Redaktionen, wir müssen reden.

Das Wirtschaftsblatt wird zusperren, 66 Menschen verlieren ihren Job und in Österreich gibt es dann nur noch 13 Tageszeitungen – und ich habe zufällig an dem Tag, an dem das öffentlich wurde, meine ersten 25 EUR für Werbung bei facebook ausgegeben. Das hängt vielleicht zusammen.

@Schmittlepp von den Berliner Piraten hat gerade auf twitter einen Rant über die „Medienkrise“ losgelassen, und er hat recht. Ihr gebt mir nicht die Möglichkeit, bei euch mein Geld reinzuwerfen.

Ich will Geld ausgeben
Die Sache ist die: Ich habe ein Werbeinteresse. Ich will Geld ausgeben. In den nächsten 10 Monaten sind die Verhandlungen zu TTIP und CETA in der heißen Phase, ich sitze im PanamaPapers-Untersuchungsauschuss und Kommissar Oettinger wird den Telekom-Markt umbauen und die Netzneutralität opfern. In diesen Bereichen werde ich inhaltlich arbeiten und ich möchte darüber informieren. Öffentlicher Druck ist für meine Inhalte wichtig. Wenn CETA durchfällt, dann nicht, weil ich im Wirtschaftsausschuss meine schon 1000x genannten Argumente vorbringe, sondern weil die SozialdemokratInnen sich nicht zuzustimmen trauen. Der öffentliche Diskurs wird entscheiden.

Ich werde dazu natürlich klassische Medienarbeit mit Aussendungen und Pressekonferenzen machen und ich werde auch „neue“ Medienarbeit machen, mit facebook und twitter, dieser Blog wird relaunched und ich beginne endlich mit Videoblogs. Klar, ich werde meine Beiträge so gestalten, dass sie geteilt werden, ein wenig Erfahrung hab ich da ja schon. Aber: Ich will raus aus meiner Blase. Ich muss raus, um mehr Wirkung zu entfalten.

Kleinvieh, natürlich
Also will ich werben. Ich habe aber nicht wahnsinnig viel Budget dafür. Keine Ahnung, wenn ich Broschüren, Veranstaltungen und ähnliche Ausgaben streiche und mich darauf konzentriere schaffe ich vielleicht 10.000 Euro im Jahr. Eher die Hälfte. Das ist nicht viel. Andererseits: Vierzehn so kleine Kunden im Jahr und ein Arbeitsplatz ist finanziert, oder?

Ich habe jetzt eine facebook-Page angelegt und bewerbe sie testweise seit drei Tagen. Dafür gebe ich 25 EUR pro Tag aus, ich will ja nur mal probieren, bevor es im September losgeht. Und soll ich euch was sagen? Das ist spannend. Ja, spannend. facebook lässt mich dutzende Einstellungen treffen, wem die Werbung eingeblendet werden soll und ich kann sie ganz einfach selbst gestalten. Dauert nur ein paar Minuten, Kreditkarte eingeben, los geht’s. Und dann wird es noch viel spannender. Du siehst deine Anzeige bei der Arbeit und bekommst Statistiken und rechnest mit, wieviel dich jeder einzelne Kontakt kostet, schaust dir die Leute an, die dich frisch abonnieren und versuchst zu lernen, wie das funktioniert. Ich habe noch keinen Beitrag beworben, aber damit will ich unbedingt experimentieren. Nächsten Donnerstag werden die neuen Guidelines für Netzneutralität vorgestellt. Ich werde eine klassische Aussendung machen, aber ich werde auch einen facebook-Beitrag dazu schreiben und 25 EUR ausgeben. Und einfach schauen, wie das funktioniert. Und wenn es nicht enttäuschend ist, was ich kaum erwarte, werde ich bis Weihnachten einfach weiter drauflos experimentieren. Gut, nicht jeder Politiker ist Ex-Medienmensch und hat Freude an sowas, auch nicht jede GeschäftsführerIn einer Firma – aber all die PressesprecherInnen, PR- und Marketingleute. Viele von denen werden das ähnlich spannend finden wie ich.

Gebt mir eine Möglichkeit
Der Punkt ist nun: Ich würde das Geld auch gern bei euch ausgeben. Eigentlich will ich keinen facebook-Beitrag bewerben, sondern diesen Blog. Ich würde gern in den nächsten vier Monaten zu jedem Artikel über CETA in Standard, Kurier, Presse, Kleiner Zeitung und Wiener Zeitung (und ORF.at) ein Inserat schalten, mit dem ich auf meinen Blog hinweise.

Vor allem: Ich werde so oft via twitter und facebook zu Artikeln bei euch geführt, die ich spannend finde. Da würde ich gerne mit einem Klick spontan entscheiden, dass ich dort auch werbe. Das würde ich viel besser finden, als statistische Einstellungen: Konkrete Artikel zu „meinen“ Themen in österreichischen Medien auswählen, das kann ich bei facebook nicht. Einfach mal aus dem Bauch raus 20 EUR ausgeben. Ich rede jetzt von so niedrigen Summen, weil ich keine Erfahrung habe. Vielleicht werde ich letztlich auch mehr ausgeben. Wenn ich tausend EUR im Monat auf österreichische Medien verteile, um Artikel auf diesem Blog zu bewerben, sind das jedenfalls 1000 EUR mehr, als ihr jetzt an mir verdient. Und ich geb das Geld lieber euch als facebook.

Was ich nicht will: Verkaufsgespräche und „Beratung“. Wir sind hier im Internet. Gebt mir ein einfaches Interface und lasst mich machen. That’s it. Mehr will ich nicht und schon bekommt ihr mein bisschen Geld. Nicht alles, weil facebook das gut macht und mich schon überzeugt hat, aber einen Teil. Das hängt von der Wirkung ab.

PS: Aus dem Bauch raus: Es würde mich wundern, wenn es nicht schon Ansätze dazu geben würde und einige jetzt sagen „So ein Blödsinn, das haben wir doch schon, der Reimon weiß es nur nicht“. Nun, ich bin auf euren Websites und fühlte mich noch nie eingeladen. Mit der Idee, es auf facebook zu machen, hab ich ein ganzes Jahr gespielt, bevor ich nun in Sommer mal in Ruhe damit begonnen habe. Und facebook hat mir das die ganze Zeit unter die Nase gerieben. Macht das auch.

Veröffentlicht von Michel Reimon