Warum sagen Rechtsextreme Dinge wie „Ich habe nur gewunken“? Warum kommen Kickl, Strache, Vilimsky, aber auch Sebastian Kurz, immer wieder mit den abstrusesten Ausreden für ihre Handlungen davon und werden in Foren verteidigt? Warum können Sie hauptsächlich ÖsterreicherInnen die Mindestsicherung kürzen und so tun, als würde es Flüchtlinge treffen? Warum kann Donald Trump offen lügen?

Nun, da gibts die Legende vom ersten Kaiser von China und seinem Reichskanzler. Dieser Reichskanzler war mächtig und einflußreich, der Kaiser gab sich den schönen Seiten des Hoflebens hin. Einmal gab es ein Fest und die Menschen machten dem Kaiser Geschenke und der Reichskanzler ließ einen Hirschen in den Saal führen.
„Ich habe ein Pferd für euch, Majestät“, sagte er.
Der Kaiser runzelte die Stirn. „Aber das hat doch ein Geweih.“
„Es ist ein besonderes Pferd, Majestät“, sagte er. Und er fragte alle anwesenden Edelleute: „Das ist doch ein Pferd, oder?“ Es entspann sich eine Diskussion, viele gaben dem Kanzler aus Angst recht, manche wollten den Kaiser nicht belügen und bestanden darauf, dass es ein Hirsch war, wieder andere verdrückten sich in die finsteren Ecken des Saales und sagten nichts.
Die Menschen im Saal konnten sich nicht einigen. Aber der Reichskanzler ließ am nächsten Tag all jene, die darauf bestanden hatten, dass es mit Geweih ein Hirsch ist, hinrichten. Und jene, die geschwiegen hatten, auch.
Ab dann konnte er dem Kaiser jedes Jahr die seltsamsten Geschenke machen und niemand widersprach.

Natürlich ist es im Fall der Rechtsextremen in der österreichischen Regierung und ihrer Verbündeten nicht ganz so. Da droht keine Todesstrafe. Alles geschieht auf viel niedrigeren Stufen der Macht und Manipulation. Noch geht es um Identität und Gruppenbildung.

Herbert Kickl attackiert offen die Verfassung und sagt dann, er habe es nicht getan. Ein Mann hebt den rechten Arm und hat nur gewunken. Strache bestellt drei Bier, kennt keine Identitären und war nie Paintball spielen. Sebastian Kurz hilft den Frühaufstehern.

Sie stellen ein Schwein nach dem anderen in den Raum und sagen jedes mal: Es ist ein Pferd. Wenn jemand beweist, dass es ein Schwein ist, sagen sie: Es ist ein Paarhufer und ich habe nie etwas anderes behauptet.

Die Leute reagieren und teilen sich in zwei Gruppen: Jene, die das Schwein benennen und jene, die die Aussage vom Pferd verteidigen. Beide Gruppen werden täglich in diese Situation gebracht, oft mehrfach täglich. Ihre Mitglieder unterstützen sich in den online-Foren und an den Stammtischen, beschimpfen sich aber gegenseitig, unterstellen den anderen nur noch Bösartigkeiten. Beide Gruppen wachsen jeweils enger zusammen, binden sich enger aneinander, aber die Kluft zwischen ihnen wächst. Irgendwann müssen sie nichtmehr selbst prüfen. Wenn die eigene Gruppe sagt, dass es ein Pferd war, war es ein Pferd. Punkt. Wenn Kickl das Schwein ein Pferd nannte und eigentlich Paarhufer meinte, dann können ihm doch nur gehässige linke Hetzer eine Lüge vorwerfen…

Es geht Kurz und Kickl nicht um Wahrheit, es geht um Gefolgschaft. Um diese Methode zu bekämpfen, muss man die Gefolgschaft aufbrechen, nicht die Wahrheit sezieren.