Heute fällt eine Vorentscheidung im Fall Glyphosat: Die Mehrheit des Parlaments fixiert – gegen die ÖVP-Minister – ein Nein gegen das Gift. Das verpflichtet Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter dazu, im November auch tatsächlich dagegen zu stimmen, dass das Pflanzengift länger zugelassen sein darf. Mit Ende Dezember läuft die Zulassung nämlich aus, damit wird es für die Kommission, die alles daran gesetzt, die Zulassung zu sichern, denkbar eng. Das könnte der Showdown in einem epischen Streit um ein Pflanzengift werden, in dem EU-Kommission, EU-Behörden und nicht zuletzt dem US-Gigant Monsanto fast jedes Mittel recht war.

Blicken wir eine Woche zurück: Das Europaparlament hat dem Monsanto Hausverbot erteilt – und das kam so: Monsanto stellt das Pflanzengift Roundup her, besser bekannt unter dem Namen “Glyphosat”- das meistverkauften Pestizid der Welt.

Die Weltgesundheitsorganisation und unabhängige KrebsforscherInnen schlagen bei dem aggressiven Gift Alarm: Glyphosat ist extrem schädlich und wahrscheinlich krebserregend, wie eine 1000 Studien starke Monographie der Internationalen Agentur für Krebsforschung schließt. Die Kommission brauchte also einen Beweis für die angebliche Unbedenklichkeit von Glyphosat und gab bei der Europäische Chemikalienagentur ECHA eine Studie in Auftrag, die diesen Forschungsstand konterkarierte. Die ECHA lieferte mit ihrer Studie der Kommission genau das, was sie hören wollte: nämlich, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Aber: Die Behörde hatte für ihr Gutachten einfach einen Bericht von den Herstellern abgeschrieben, in dem Monsanto die Risiken von Glyphosat, seinem eigenen Produkt, einfach bewertet hatte. Der Teil über die krebserzeugende Wirkung wurde in großen Teilen wortwörtlich übernommen – und auf dieser Basis grünes Licht für Glyphosat gegeben.

Dann flog der “Monsanto Papers”-Skandal auf, mit dem auf einen Schlag klar wurde, dass Monsanto seit den 90-ern um die krebserregende Wirkung des Gifts wusste, und die Risiken bewusst vertuscht hatte. In Risikoberichten wurden eindeutige Krebsbefunde absichtlich verschwiegen, Monsanto ließ Studien selbst schreiben und gab sie dann als unabhängig aus – kurz: Monsanto kannte keine Skrupel, wenn es darum ging, seine Produkte auf den Markt zu bringen.

Die Europäischen Grünen luden zur Monsanto zur Aufklärung des Falls zu einer Anhörung vor. Doch der Konzern weigerte sich – und das EU-Parlament erteilte den LobbyistInnen des US-Konzerns Hausverbot: Wer sich der demokratischen Kontrolle entzieht, hat auch sonst nichts im Parlament verloren. Das war der jüngste Paukenschlag im Glyphosat-Fall. Frankreich und Italien haben sich schon dagegen ausgesprochen. Mit Österreich steigt jetzt die Wahrscheinlichkeit für ein endgültiges Aus von Glyphosat in Europa.

Veröffentlicht von Michel Reimon