Die europäischen Grünen haben eine neue Studie aus der Offshoreleaks-Datenbank erstellt, die erstmals die Akteure nennt, die Briefkastenfirmen vermitteln und zeigt, wo diese ansässig sind. Es sind Anwaltsfirmen, Banken und Wirtschaftsprüfer, die in der EU arbeiten und an der Vermittlung solcher Geschäfte ein Vermögen verdienen. Im Gegensatz zu den Steuerhaien selbst, die durch die Panama Papers publik wurden, sind diese Vermittler der Öffentlichkeit oftmals unbekannt. Dabei spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Steuerumgehung, denn ihre Vermittlung macht das Verschwinden dubioser Geschäfte hinter Briefkastenfirmen erst möglich.
Die Studie zeigt: Asien, insbesondere Hongkong, Taiwan, Singapur, ist weiterhin der absolute Hotspot für Vermittler. Aber auch Europa und die USA stehen dem kaum etwas nach.

In Europa lassen sich internationalen Vermittler besonders gerne in Großbritannien, der Schweiz und Luxemburg nieder.
Im EU-Mitgliedsstaatenvergleich zeigt sich, dass 50% aller Vermittler in Großbritannien registriert sind, 23% in Luxemburg, 7% in Spanien und 3,6% in Spanien. In Frankreich und Deutschland lassen jeweils nur 3.5% der Vermittler nieder.


140 Vermittler konnten in der Studie namentlich identifiziert werden. Die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse führen mit 13285 und 11347 assoziierten Briefkastenfirmen. Der Vermittler Trident Coporate Services ist mit den Bahamas, British Virgin Islands, Guernsey, Jersey und Isle of Man verlinkt, während Offshore Business Consultant Limited in Hongkong ansässig ist. Namhafte europäische Banken wie Society Generale und Banque Internationale à Luxembourg befinden sind unter den Top 20 der Vermittler. 127, als ca. 90%, der 140 internationalen Vermittlern haben eine Niederlassung in Europa. Das zeigt, wie zentral Europa für Steuervermeidung und Geldwäsche ist, denn hier kommen die Vermittler mit ihren europäischen KundInnen zusammen.

Auch die renommierten vier Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte & Touche, Pricewaterhouse Coopers, KPMG und Ernst & Young mischen ordentlich mit. Deloitte und Pricewaterhouse Coopers führen mit 1742 und 1364 Briefkastenfirmen.

Während es Kontrollmechanismen für Banken gibt, bleiben Vermittler wie Anwaltskanzleien, Notare, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer oft völlig unbehelligt. Die Europäischen Grünen fordern eine unabhängige Kontrollstelle, die auch solche Vermittler, nicht nur Banken, auf die Einhaltung europäischer Gesetze hin überprüfen, sonst werden die wahren Täter weiter hinter ihren Briefkastenfirmen verschwinden. In den USA hat sich ein Gesetz als effektive Maßnahme durchgesetzt, das Finanzinstitute zum Informationsaustausch zu Finanzkonten verpflichtet. Seitdem nehmen Vermittler nur ungern US-KundInnen, da es zu kompliziert und zu teuer geworden ist. Die EU kann sich ein Beispiel daran nehmen und Geldwäsche als Geschäftsmodell so teuer, kompliziert und riskant machen, dass die Vermittler das Interesse daran verlieren.

Die detaillierte Liste der 140 Vermittler sowie die komplette Studie gibt es hier: www.greens-efa.eu/en/article/who-are-the-middlemen-helping-to-dodge-tax-or-launder-dirty-money/

 

Veröffentlicht von Michel Reimon