Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr wir Gewohnheitstiere sind und wie sehr das die Politik formt.

Ich hab gerade mit jemandem gesprochen, der einen Job in Österreich angeboten bekommt. 14 Gehälter. Warum? fragt er. Es zählt ja unterm Strich das Jahresgehalt, aber warum wird es in Österreich so seltsam verteilt?

Weil das nach dem Krieg ein zinsenloser Kredit der ArbeitnehmerInnen an die Unternehmen war. Fünf Monate verzichten wir auf ein Sechstel des Gehaltes, im sechsten bekommen wir dann das Doppelte. Und der Staat belohnt uns dafür, dass wir so nett sind, mit geringerer Besteuerung auf die gesparten fünf Sechstel.

Der Krieg ist lange her, sagt er. Warum lassen sich die Leute das immer noch gefallen?, fragt er.

Du musst es anders sehen, sag ich. Wir haben uns daran gewöhnt, mit den fünf Sechsteln auszukommen und zweimal im Jahr können wir uns was leisten. Da freuen wir uns immer ganz narrisch.

Ihr könntet selber sparen, sagt er. Eh.
Niedrigstverdiener kommen sicher nicht mit den fünf Sechsteln aus, sagt er. Eh.

Ihr wollt das nicht ändern? fragt er.
Nö, sag ich. Wir hätten nicht das Gefühl, mehr Fairness zu bekommen, sondern dass uns das 13. und 14. weggenommen wird. Zumindest wär das der mediale Diskurs.

Faszinierend…, sagt er.

Veröffentlicht von Michel Reimon