Es gibt eine spannende Erkenntnis aus der Verhaltensökonomie zum Thema „Strenge Bewertungen“, und die betrifft nicht die Schüler, sondern die Lehrer und Eltern.

Entdeckt wurde es bei Pilotentrainings. Die Trainer waren der Meinung, dass Tadel besser wirkt als Lob. Sie machten bei Trainings von Landeanflügen über die Jahre immer wieder die Erfahrung, dass die Schüler nach einem Tadel meist einen besseren Versuch hinlegten, nach einem Lob aber meist einen schlechteren Versuch. Also tadelten sie gern und lobten selten.

Nun erklärt sich das ganz einfach über die Wahrscheinlichkeit: Wenn die Qualität der Versuche schwankt, kommt nach einem gelobten Versuch in den besten 10 Prozent eben zu 90 Prozent ein schlechterer Versuch. Und nach einem getadelten in den schlechtesten 10 Prozent kommt eben zu 90 Prozent ein besserer.

Der „Lern“-Effekt für den Lehrer: Nach einem Tadel strengt sich der Schüler scheinbar an, nach einem Lob wird er offensichtlich nachlässig.

Diese Täuschung bleibt selbst dann aufrecht, wenn Lob in Wahrheit eine positive Wirkung hat (und das hat es, sagen alle empirischen Daten). Wenn man die besten 10 Prozent der Versuche lobt und der Schüler dann motiviert doppelt so wahrscheinlich einen guten Versuch hinlegt… wird er immer noch in 80 Prozent der Fälle schlechter sein.

Und so kommt man irgendwann zu der „Erkenntnis“, strenge Noten würden auf den Ernst des Lebens vorbereiten. Aber das ist Bauchgefühl, keine Empirie. So machen wir jetzt Bildungspolitik.

Veröffentlicht von Michel Reimon